gab es wieder ein Crémant-Tasting – diesmal im privaten Rahmen mit fantastischen Freunden und Teilnehmern.
Mein persönliches Highlight war das Weingut Domaine Zusslin mit dem Crémant Prestige: unfassbar elegant, perfekt balanciert und tiefgründig, mit feinster Perlage, schöner Mineralik und großer Länge. Alles wirkt wie aus einem Guss. Und das ist noch nicht einmal das Flaggschiff des Hauses. Für mich absolute Topspitze – zusammen mit Jean‑Christophe Buecher.
Der Grand Millésime 2019 der Domaine Muré schließt qualitativ daran an, geht stilistisch jedoch stärker in eine oxidative Richtung und wirkt dadurch toastiger. Die Kombination aus Chardonnay und Riesling bringt zusammen mit dem Ausbau viel Tiefe, Vielschichtigkeit und etwas mehr Körper.
Eine spannende Entdeckung aus meiner letzten Elsass-Reise war das Weingut François Schmitt. Der Blanc de Blancs ist ein wunderbar leichter, unkomplizierter Einstieg: ausgewogen, frisch und mit viel Trinkfluss – perfekt zum Öffnen des Gaumens. Der Blanc de Noirs dagegen ist deutlich ernsthafter, mit Ecken, Kanten und Persönlichkeit. Sein sehr toastiger Stil polarisierte – für manche zu viel, andere liebten ihn. Ich mochte ihn sehr und würde wetten: In einem Champagner-Blindtasting würde er vielen nicht auffallen.
Der Blanc de Noirs Dosage Zéro 2020 von Fernand Engel wirkte deutlich leichter und zitrischer, behält aber die Kraft und Breite des Pinot Noir. Viel Trinkfluss und eine schöne, feine Perlage.
Neu in der Runde war auch ein Crémant Extra Brut von Domaine Bott‑Geyl (Chardonnay, Pinot Blanc, Pinot Noir). Er zeigte mehr Charakter als die Basisweine von François Schmitt und Domaine Muré. Leicht toastig, mit klarer Chardonnay-Prägung und viel Persönlichkeit.
Der Crémant Prestige Brut von Domaine Kientzler überzeugte mit erfreulich niedriger Dosage: schlank, trocken, fokussiert und sehr präzise. Die Balance wird von schöner Mineralik getragen. Mit fast 50 % Auxerrois bringt er zudem eine cremige Textur und weiche Struktur. Für mich ein sehr klares Beispiel für die trockene, mineralische Stilistik des Hauses.
Rosé darf natürlich nicht fehlen. Als Benchmark diente der Crémant Rosé von Domaine Boeckel – mein Klassiker für Feste und Weinstände, den wirklich jeder liebt.
Der Rosé von François Schmitt war eleganter und filigraner, auch farblich mit zartem Lachsrosa. Feine Perlage, rote Frucht, etwas Erdbeere – aromatisch, aber nicht aufdringlich, mit viel Trinkfluss.
Danach folgte der Rosé von Domaine Mélanie Pfister. Preislich deutlich höher angesiedelt, für mich aber noch präziser, eleganter und vor allem deutlich mineralischer – was nicht jeder bevorzugte. Für mich jedoch der komplexere und feinere Crémant, in dem sich auch die Klasse der Stillweine des Hauses zeigt.
Auf einem ähnlichen Preisniveau liegt der Rosé der Domaine Muré. Stilistisch arbeitet das Haus mit etwas höherer Dosage, was den Crémants mehr Fülle und Kraft gibt. Dennoch bleiben sie immer balanciert, frisch und elegant. Für viele Teilnehmer war er am Ende der Favorit unter den Rosés.